Titicacasee – Schwarzwaldtrachten, Schilfinseln und die Uros

Abendstimmung am Titicacasee
Abendstimmung am Titicacasee

Nach dem aufregendem und auch anstrengenden Inka Trail hatte ich nicht viel Zeit mich zu erholen. Wir kamen nachts um 23.00 Uhr recht müde und ein bisschen kaputt im Hotel in Cuzco an. Duschen, aus- und einpacken und kurz schlafen. Morgens früh ging es bereits um 7 Uhr wieder weiter in Richtung Titicacasee. Mit dem Bus fuhren wir über die Hochebene Altiplano auf der bekannten Wiracocha Route. Wir passierten den La Raya Pass mit seinen 4.323 Meter Höhe.

La Raya Pass
La Raya Pass

Von diesem höchsten Punkt, den wir an dem Tag überquerten,  ging es dann nur noch hinunter bis zum  Titicacasee. Doch auch der liegt immerhin noch auf 3.810 Höhenmeter. Mir fiel auf, dass  überall unterwegs neben den Gehöften kleine blaue Hütten standen. Unser Guide erklärte uns, dass das kleine Toilettenhäuser seien, die die ehemalige Regierung den Einwohnern geschenkt habe. Insgesamt wurden so ca. 3.600 Häuschen gebaut. Hinter dieser netten Geste soll tatsächlich der Gedanke „Schutz vor Terrorismus“ gestanden haben. Dadurch, dass die Soldaten vor Ort lebten und bauten, bekamen sie genau mit, wer, wie und wo wohnte.

Blaue Toilettenhäuschen
Blaue Toilettenhäuschen

Traurig für mich immer wieder im südamerikanischen Straßenbild die vielen Straßenhunde. Manchmal streiften sie allein um die Häuser. Ein anderes Mal im Rudel. Wie oft habe ich Hunderudel Müll durchwühlen sehen. Wenn ich konnte, habe ich sie ein wenig gefüttert. Wohl wissend, dass das nicht auf Dauer helfen kann. Leider konnte ich auch keine Hunde mit nach Hause nehmen. So bleibt es den Reisenden und damit auch mir nicht erspart, auch das menschliche und tierische Elend der Länder zu betrachten. Schöner anzusehen dagegen die Flamingos, die uns von nun an in den nächsten Tagen immer häufiger vor die Linse kamen. Im nächsten Bericht werde ich davon Fotos zeigen.

Titicacasee - ihm geht es besser als den vielen Straßenhunden
Titicacasee – Hofhund, ihm geht es besser als den vielen Straßenhunden
Straßenhund
Straßenhund in Cuzco

Am Nachmittag kamen wir in dem kleinen Ort Capachica am Titicacasee an und wurden sehr freundlich vom Bürgermeister und einigen anderen Dorfbewohnern begrüßt. Der Titicacasee ist das höchstgelegene schiffbare Gewässer auf der Erde und 15x so groß wie der Bodensee. Titicaca bedeutet in der Quetchua Sprache graue Katze oder auch Panther. 60% des Sees gehören zu Peru und  40%  zu Bolivien.  Es gibt die Sage, dass sich eines Tages Mond und Sonne vereinigt hätten. So wäre der Titicacasee entstanden, aus dem wiederum der Inca gestiegen sei. Als ich vor dem gewaltigen See stand, dachte ich, dass ich am Meer sei. So groß und unendlich wirkte dieses Gewässer. Allerdings hat der See wohl im ganzen Jahr nie über 11 Grad, so dass Baden und Schwimmen ein wenig kühl wäre. Und leider soll der See auch recht verschmutzt sein. Es gibt immer mehr illegale Minen, die ihre giftigen Abwässer in den See einleiten.

Titicacasee - Capachica
Titicacasee – Capachica – Schweinefütterung
Titicacasee - Capachica
Titicacasee – Capachica – Handarbeit auf den Kirchenstufen
Titicacasee - Capachica
Titicacasee – Capachica – am Dorfplatz
Titicacasee - mit Gastfamilie
Titicacasee – mit Gastfamilie
Schweinehaltung
Schweinehaltung
Landwirtschaft am Titicacasee
Landwirtschaft am Titicacasee
Einfache Quartiere
Einfache Quartiere

Wir wurden über Nacht auf einheimische Familien verteilt, um das Leben in der Bauerngemeinde ein wenig näher kennen zu lernen. Die meisten Familien lebten von Landwirtschaft und ein wenig auch vom Tourismus. Die Quartiere waren sehr einfach und die Gastfamilien  freundlich und nett. Seit kurzer Zeit gibt es in den meisten Hütten Strom, aber nur vereinzelt fließendes Wasser. So wurde der Besuch auf der Halbinsel am Titicacasee mit Übernachtung in Capachica zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wir wanderten durch den Ort, sahen den kleinen Marktplatz, Häuser und Gehöfte. Vom nahe gelegenen Hügel schauten wir auf den großen Titicaca See hinunter.

lokale "Essensbestandteile"
lokale „Essensbestandteile“
Schäfchen
Schäfchen
Radfahrt am See
Radfahrt am See
Blick auf Capachica
Blick auf Capachica zum See
Blick auf Capachica
Blick auf Capachica mit Marktplatz
Blick auf den Titicacasee
Blick auf den Titicacasee

Am Morgen schauten wir den Frauen beim Weben zu und konnten einheimische Trachten, die mit Ihren Hüten und den großen Kugeln ein wenig an Schwarzwaldtrachten erinnern, anprobieren. Dann ging es weiter an den See, von wo uns ein Boot über den Titicacasee bringen sollte.

Titicacasee Tracht
Titicacasee Tracht
Titicacasee - mit dem Boot geht es weiter
Titicacasee – mit dem Boot geht es weiter
Titicacasee - Weberinnen
Titicacasee – Weberinnen

Wir machten einen kurzen Stopp bei dem Volk der Uros. Diese leben auf schwimmenden Schilfinseln. Alles ist aus Schilf (bis auf die modernen Sonnenkollektoren und die Handys). Viele Uros leben vom Tourismus, indem sie ihre Kunstwaren verkaufen oder Touristen mit ihren Schilfbooten um die Inseln fahren.  Auf diesen Schilfinseln, deren Aufbau uns fachmännisch erklärt wurde, dürfen tatsächlich nur Uros leben. Ursprünglich sollen die Urus die schwimmenden Inseln gebaut haben, um sich  vor den kriegerischen Inkas zu schützen. Die Inseln bestehen aus kreuzweise aufgebrachten Lagen aus Totora-Schilf und sind im See verankert.

Schilfinsel - bei den Uros
Schilfinsel – bei den Uros – Schilf
Schilfinsel - bei den Uros
Schilfinsel – bei den Uros
Schilfboote am Titicaca See
Schilfboote am Titicaca See
Schilfinsel - bei den Uros
Schilfinsel – bei den Uros – Bootsfahrt
Schilfinsel - bei den Uros
Schilfinsel – bei den Uros
Titicacasee - Schilfinsel
Titicacasee – Schilfinsel

Wir fahren nach dem Besuch weiter und treffen Boote, die von Feierlichkeiten in Puno kommen. Puno ist eine lebhafte Hafenstadt auf der anderen Seite des Titicacasees. Dort mußten wir unser Boot verlassen und mit dem Bus weiter in Richtung  bolivianische Grenze fahren. Wir passierten  entlang des Titicacasees zahlreiche Dörfer und genossen schöne Ausblicke auf den See und die umliegenden Berge.

Titicacasse - bei den Uros
Titicacasse – bei den Uros
Titicacasee - unterwegs
Titicacasee – unterwegs

Kurz vor der bolivianischen Grenze fahren wir durch die Stadt Juliaca (350.000 Einwohner). Hier sollen die meisten Menschen vom Drogenhandel leben und recht reich sein. Die Häuser und Autos machen tatsächlich den Anschein und lassen den Rückschluss auf wohlhabende Bewohner zu. Doch nicht alle scheinen dazu zugehören. Auch hier sehen wir weiter Menschen am Straßenrand Benzin verkaufen. Es soll große Benzinkartelle geben. Aussteigen aus dem Bus tun wir besser nicht. Auffällig ist, dass es keinerlei Hinweisschilder (Richtungen) in dieser doch recht großen Stadt gibt. Wer nicht genau weiß, wie der fahren muss, wird wohl einige Schwierigkeiten haben, überhaupt wieder aus der Stadt hinaus zu kommen.

Grenze Peru Bolivien
Grenze Peru Bolivien
Grenze Peru Bolivien
Grenze Peru Bolivien
Grenze Peru - Bolivien
Grenze Peru – Bolivien

 

Auch die kleine Grenzstadt Desaguadero sieht ein bisschen „wild“ aus. Wir müssen den Bus verlassen und zu Fuß die Grenze von Peru nach Bolivien überqueren. Schnell noch die letzten peruanischen Soles in Bolivianos umtauschen und schon geht es weiter Richtung La Paz (3.650m). Dort kommen wir erst im Dunklen an. Kurz vorher passieren wir El Alto, die große Stadt auf über 4.000 Meter Höhe, die heute mit La Paz zusammengewachsen ist. Von dort oben können wir auf das belichtete Häusermeer der Millionenstadt La Paz blicken.

Was es alles in der bolivianischen Stadt La Paz zu sehen gibt – darüber schreibe ich das nächste Mal.

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13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anna-Lena sagt:

    Ganz wunderbar sind deine Schilderungen und Fotos zum Titicacasee und deiner Reise an sich. Dass dir bei den vielen Hunden das Herz geblutet hat, kann ich mir lebhaft vorstellen.
    Danke für deine schönen Berichte.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

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    1. Dagmar sagt:

      Liebe Anna-Lena, ich fand die Reise für mich als ein echtes Jahreshighlight und freue mich umso mehr, wenn Dir die Berichte und Fotos gefallen. Liebe Grüße, Dagmar

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      1. Anna-Lena sagt:

        Das glaube ich dir gern. Nach Südamerika kommt man ja auch nicht mal so eben…

        Herzlich,
        Anna-Lena

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  2. Ein sehr schön verfasster Bericht und tolle Bilder erinnern mich an unsere Südamerika Rundreise. Etliche Bilder kommen mir sehr vertraut vor. Danke für diese Erinnerungen!

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  3. Dagmar sagt:

    Liebe Petra, schön, dass Dich die Bilder an Deine Reise erinnern. Ich selber komme bereits jetzt wieder beim Anschauen der Bilder über Südamerika ins Schwärmen. Liebe Grüße, Dagmar

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  4. monisertel sagt:

    Liebe Dagmer,
    der höchst gelegene See auf der ganzen Welt, echt grandios. Deine Bericht und die Bilder sind so lebendig, Danke fürs Mitnehmen ♥
    Lieben Gruß
    moni

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  5. Dagmar sagt:

    Liebe Moni, freut mich, dass meine Berichte Dir gefallen. Liebe Grüße, Dagmar

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  6. Ihr habt auf der Reise wirklich tolle Eindrücke vermittelt bekommen. Von der unterschiedlichen Landschaft, von Besonderheiten, von geschichtlichen Hintergründen, von der Lage der dort Lebenden – auch, weil ihr häufig ganz unmittelbaren, direkten Kontakt zur Bevölkerung hattet!
    Mir hat es wieder sehr viel Spaß gemacht, den heutigen Teil deines Reiseberichts zu verfolgen und es gab wieder viel Neues, was ich recht begierig aufgesogen habe. Ich freue mich wie immer auf die Fortsetzung, Dagmar.
    LG Michèle

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    1. Dagmar sagt:

      Freut mich Michèle..und es geht weiter :-). Liebe Grüße, Dagmar

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  7. Auch ich möchte sagen,toller Beitrag,tolle Bilder……auch bei mir werden wieder Erinnerungen wach.👍

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    1. Dagmar sagt:

      Danke, freut mich sehr

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  8. Pit sagt:

    Eine großartige Reise, liebe Dagmar, aber für mich wären es der Strapazen zu viele gewesen. Meine Frau und ich lieben es geruhsamer, wie Du ja aus meinem Bericht über unseren Road Trip hier in den USA schon entnommen haben wirst. Danke umso mehr für’s virtuelle Mitnehmen.
    Hab’s fein,
    Pit

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  9. Dagmar sagt:

    Ja lieber Pit, bin gedanklich immer noch am verarbeiten :-). Liebe Grüße, Dagmar

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