La Paz – mit der Seilbahn über die Metropole

Bolivien - La Paz
Bolivien – La Paz

Nun wachten wir in La Paz in Bolivien auf. Bolivien mit nur 11 Millionen Einwohnern ist flächenmäßig dreimal so groß wie Deutschland. Am Präsidenten Morales, der seit 2006 an der Macht ist, scheiden sich die Geister. Sehr volksnah mit einigen sozialen Verbesserungen für das Land oder doch nur ein Populist? Fest steht, dass er die indigene Bevölkerung, deren Anteil an der Bevölkerung in Bolivien am Größten ist, zu mehr Ansehen und Selbstbewusstsein verholfen hat. Doch er war es auch, der die Nationalparks für den weiteren Bergbau freigegeben hat, womit größere Umweltzerstörungen vorprogrammiert sind. Laut Verfassung des Landes sollte ein Präsident nur zwei Legislaturperioden herrschen. Doch mit versuchter Verfassungsänderung befindet sich Morales bereits in der 3. Periode und ist immerhin mit über 60% durch die Bevölkerung gewählt worden. Liegt das vielleicht auch ein wenig an der Oppositionspartei, die nicht weniger korrupt sein soll als die Regierung? Viele Fragen und für  „Außenstehende“ schwer zu beantworten. Umso mehr interessieren mich die Meinungen der Menschen, die teilweise gerne mit uns sprechen und auch offen ihre Ansichten äußern. 

Bolivien - La Paz - Musikgruppe auf dem Aussichtspunkt
Bolivien – La Paz – Musikgruppe über der Stadt

Kinderarbeit ist in Bolivien legal und nicht wenige Kinder arbeiten dort in den Minen. Schulische Pflichten werden von den armen Bevölkerungsschichten auch hier nicht wahrgenommen. Daran ändert auch anscheinend die Koordination der Regierungspolitik mit dem Hilfswerk Unicef recht wenig. Da Verkehrszeichen wie rote Ampeln oder Zebrastreifen so gut wie nicht beachtet werden, gibt es in La Paz eine Initiative, die den Menschen den Zebrastreifen ein wenig näher bringen soll. Leider konnte ich aus dem Bus kein Foto machen. Doch Menschen in einem Zebrakostüm hüpfen auf den Zebrastreifen herum, um den Fussgängern und Autofahrern klar zu machen, dass auf den Streifen Fussgänger Vorrang haben. Bolivianische Verkehrserziehung. Kleine Splitter im Vorbeifahren aufgeschnappt.

Bolivien - La Paz - Stadtmitte
Bolivien – La Paz – Stadtmitte

Das Inkareich reichte bis Bolivien, so dass auch hier noch viele Inkastätten zu finden sind. Doch neben den Inkas gab es in Peru auch viele andere Kulturen. Das Land hat große Silbervorkommen. Aber auch Schmuggel von Gas, Benzin und Ziegelsteinen ist an der Tagesordnung. Und die Korruption soll auch in Bolivien groß geschrieben werden. Wie in Peru wird auch hier im großem Rahmen Coca angebaut, um das sich mittlerweile die großen Mexiko- und Kolumbienkartelle streiten sollen.

Bolivien - La Paz - Waschtag
Bolivien – La Paz – Waschtag

Auch wenn La Paz eine typische südamerikanische Großstadt ist. Irgendwie ist sie auch das besonders. Das lebendige Zentrum dieser Metropole vereint moderne Hochhäusern und schöne alte Straßenzüge aus der Kolonialzeit. Interessant die traditionelle Bekleidung der Frauen, zu der ein Bowlerhut zählt. Der soll den kleinen Kindern so früh auf den Kopf gesetzt werden, dass er mit dem Schädel verwächst. Im Erwachsenenalter sind die Hüte dann so fest, dass sie den Frauen nicht vom Kopf fallen.

LA Paz - Tracht mit Bowlerhut
LA Paz – Tracht mit Bowlerhut

 Doch bevor wir die Innenstadt besuchten, machten wir einen kleinen Ausflug in das Mondtal, welches seinen Namen der bizarren Landschaft verdankt.

La Paz - Mondtal
La Paz – Mondtal
La Paz - Mondtal
La Paz – Mondtal
La Paz - Mondtal
La Paz – Mondtal
La Paz - Mondtal
La Paz – Mondtal

Später schlenderten wir durch das historische Zentrum und besuchten das Folklore- und Ethnologiemuseum. Hier bekamen wir einen ersten Eindruck über die Vielfalt der in Bolivien lebenden Kulturen und damit auch einen kleinen Überblick über die Vielfalt des Landes.

La Paz - Stadtmitte
La Paz – Stadtmitte – Präsidentenpalast
La Paz - Hexenmarkt
La Paz – Hexenmarkt
La Paz - Hexenmarkt
La Paz – Hexenmarkt
La Paz - Hexenmarkt
La Paz – Hexenmarkt

Wie bereits in den anderen Städten, durfte auch in La Paz ein Besuch des Marktviertels mit dem berühmten Hexenmarkt nicht  fehlen. Dort gab es wieder neben allerlei kuriosen Glücksbringern, Kräutern und Heilmitteln Lamaföten zu sehen und zu kaufen.

Interessant, dass die Uhr am großen Turm am Hauptplatz in die andere Richtung ging (Zahlen gespiegelt). Ein Versuch die Zeit umzudrehen?

La Paz - die Uhr tickt anders :-)
La Paz – die Uhr tickt anders 🙂

El Alto, die Stadt die heute mit La Paz zusammengewachsen ist, ist die höchstgelegene Population auf der Erde (4300 Höhenmeter mit 1,3 Millionen Einwohnern). So zieht sich dann diese gewaltige vereinte Stadt (El Alto und La Paz) von 3200 bis 4300 Höhenmeter. Die Armenviertel liegen in dieser Stadt oben, was ja in anderen südamerikanischen Metropolen eher umgekehrt ist. Da die letzte Volkszählung 2011 war, gibt es allerdings keine genauen Angaben, sondern nur Schätzungen über die Einwohnerzahl. Doch man sieht mit bloßem Auge, dass sich die Stadt in jede Richtung ausdehnt. In El Alto sind an vielen Masten Puppen als Symbol dafür aufgehängt, dass hier Lynchjustiz an der Tagesordnung ist.

La Paz - kleines Geschäft
La Paz – kleines Geschäft
El Alto - am Laternenmast hängt eine Puppe
El Alto – am Laternenmast hängt eine Puppe – links am Haus
La Paz - bunte Treppen
La Paz – bunte Treppen

Das übliche Verkehrsmittel in La Paz ist die Seilbahn, mit der jeder für relativ geringes Geld schnell über die Hauptverkehrsadern dahin schweben kann. An einigen Aussichtspunkten gibt es beeindruckende Blicke übe diese gewaltige Stadt und am Horizont schimmert weiß der Hausberg von La Paz, der Imani mit seinen 6468m Höhe.

La Paz - Hausberg Imani
La Paz – Hausberg Imani
La Paz Aussichtspunkt
La Paz Aussichtspunkt
La Paz - Seilbahn
La Paz – Seilbahn
La Paz - Seilbahnfahr
La Paz – Seilbahnfahrt

Knapp zwei Tage für diese riesige Stadt lässt nur einen kleinen Einblick zu. Doch auch die Umgebung von La Paz hat viel zu bieten. Das nächste Mal berichte ich von einer kleinen Fahrradtour auf der Ruta de la Muerte.

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15 Kommentare Gib deinen ab

  1. Linsenfutter sagt:

    Super Bilder einer sicher tollen Reise.

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    1. Dagmar sagt:

      Danke sehr. Die Reise war sehr beeindruckend. Leider häufig zu wenig Zeit um wirklich gute Fotos zu machen. Doch für die Erinnerung reicht es. Liebe Grüße

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  2. Anna-Lena sagt:

    Das Mondtal erinnert ein wenig an den Grand Canyon. Der Name ist passend.
    La Paz mit einer Seilbahn zu überqueren hätte mir auch Spaß gemacht. Eine gute Idee in einer so dicht bevölkerten Stadt.
    Die Korruption, von der du sprichst, ist leider typisch für viele südamerikanische Städte. Bei uns gibt es sie sicher auch, vielleicht nur nicht so einsehbar. Die Schere zwischen Arm und Reich wird auch hier immer deutlicher und größer…

    Gerne mitgeschwebt,
    Anna-Lena

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  3. Dagmar sagt:

    Danke fürs Mitlesen und Mitschweben. Liebe Grüße, Dagmar

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  4. kowkla123 sagt:

    ich wünsche einen harmonischen Tag

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  5. aquasdemarco sagt:

    Um La Paz steht es nicht gut, denn ohne Trinkwasser kann dir wachsende Stadt nicht auf Dauer überleben, die Erderwärmung zeigt sich halt immer deutlicher

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    1. Dagmar sagt:

      Richtig. Gut, dass Du das ansprichst. Das Thema wurde auch vom dem lokalen Guide in aller Dringlichkeit thematisiert.

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      1. aquasdemarco sagt:

        Ja, aber eine Lösung ist schwer zu finden, sieht sehr schlecht aus für die Stadt

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      2. aquasdemarco sagt:

        Einzig jeder für sich kann auf seine ökologischen Fußabdruck achten

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  6. Pit sagt:

    Hallo Dagmar,
    diese Seilbahn als prima Nahverkehrsmittel wurde vor einiger Zeit mal in einem Artikel erwaehnt, in dem es um eine projektierte Seilbahn in Bonn ging, um eine Querachse von der Beueler Seite ueber den Rhein und das Bundesgartenschaugelaende hinweg bis auf den Venusberg – so glaube ich, war die da favorisierte Route. Ich war ganz ueberrascht, wie viele Vorzuege das haette. Ich frage mich allerdings, was die Anwohner nahe der Trasse dazu sagen wuerden.
    Hab’s fein, und danke fuer diesen Bericht und die Fotos,
    Pit

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    1. Dagmar sagt:

      Hallo Pit, genau Deine Frage nach den Anwohnern, habe ich mir auch gestellt, wenn wir so einige Male unmittelbar über ein Haus hinweg schwebten oder direkt in den Garten und die Fenster schauen konnten. Liebe Grüße, Dagmar

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      1. Pit sagt:

        Ich stelle mir gerade vor, wie ich da reagieren wuerde. Keinesfalls begeistert, denke ich mal. Bin ich da etwa ein „St. Florian Juenger“?

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  7. gsharald sagt:

    So eine Seilbahn ist wirklich eine zweischneidige Sache. Ich kenne das noch von der Bundesgartenschau in Mannheim. Dort ist eine Bahn, ähnlich wie in Wuppertal, an den Häusern vorbeigeschwebt. Ich glaube die damals betroffenen Einwohner haben sich nach einiger Zeit damit abgefunden.

    Eine andere effektive Möglichkeit wird es in La Paz wohl nicht geben und ich meine, dass dort nicht so viel nach den Befindlichkeiten des einzelnen geschaut wird.

    Wieder ein sehr schöner Bericht. Danke dafür.

    Liebe Grüße
    Harald

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  8. Dagmar sagt:

    Wegen der Seilbahn und der Befindlichkeiten der Leute wirst Du wohl richtig liegen. Danke fürs Vorbeischauen und einen schönen Donnerstagabend für Dich, Dagmar

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