Santiago de Chile – geschichtsträchtige Stadt mit Andenblick

Santiago de Chile mit Anden bei Sonnenuntergang
Santiago de Chile mit Anden bei Sonnenuntergang

Wir landeten am Abend in der Hauptstadt von Chile, Santiago de Chile. Hier leben ungefähr 6,5 Millionen Menschen. Das sind weit über 40% der gesamten Bevölkerung Chiles. Gleich auf den ersten Eindruck wirkt Santiago de Chile anders als die anderen Großstädte, die wir bislang auf unserer Südamerikareise gesehen haben. Mit ihren vielen gläsernen Hochhäusern könnte sie auch eine große westliche Metropole sein. Die Wirtschaft in Chile floriert und Lebenshaltungskosten sind hoch. Auf dem ersten Blick scheint hier zumindest ökonomisch vieles besser als in den Nachbarländern zu laufen. Doch anscheinend klafft auch hier die Schere zwischen arm und reich. Die indigene Bevölkerung wird nicht wirklich gleichberechtigt behandelt (um es vorsichtig auszudrücken) und im besten Fall noch in den Süden des Landes verdrängt.

Santiago de Chile
Santiago de Chile

In Santiago de Chile sitzen Regierung und Parlament. Es gibt Universitäten, Museen und viele historische Bauten. Die Stadt liegt in einem Talkessel, der in Verbindung mit den städtischen Abgasen häufig zu Smog führt. Am Horizont zeichnen sich die weißen Gipfel der Anden ab. Viele Vulkane liegen um die Hauptstadt verteilt. Die Region ist stark erdbebengefährdet und wurde im Laufe der Jahrhunderte bereits häufig  durch Erdbeben zerstört. Das letzte traf Santiago de Chile im Jahr 1985.

Santiago de Chile - Präsidentenpalast La Moneda
Santiago de Chile – Präsidentenpalast La Moneda

Bei unserer Stadtführung am nächsten Tag fällt immer wieder der  Ausdruck Salpeterkrieg. Im sogenannten Salpeterkrieg kämpften Ende des 19. Jahrhunderts  Chile, Bolivien und Peru um gewisse Regionen im Norden des heutigen chilenischen Staatsgebietes. Vorausgegangen war, dass die Regierung von Bolivien eine neue Exportsteuer für chilenische Salpeterunternehmen eingeführt hatte, die allerdings gegen einen bestehenden Handelsvertrag verstieß. Letztlich ging Chile als Gewinner aus diesem Krieg hervor und Bolivien verlor seinen Zugang zum Pazifik. Dennoch gibt es bis heute in Bolivien eine Marine. Eine Marine ohne Meer. Durch Zufall sahen wir Teile davon in La Paz bei einer großen Militärparade. Dort wurden die Boote auf Anhängern durch die Stadt gefahren und die Marinesoldaten marschierten dazu.

Santiago de Chile - große chilenische Fahne
Santiago de Chile – große chilenische Fahne

Natürlich gibt es viele Fragen zur jüngsten Geschichte des Landes. Wie entwickelt sich die Demokratie? Wie war das genau mit Allende und in der Zeit der Diktatur Pinochets?  Folter und Unterdrückung haben das Land viele Jahre beherrscht. Viele Chilenen sind ausgewandert. Es scheint, dass Chile anders als Argentinien bis heute die Vergangenheit noch nicht wirklich verarbeitet hat. Keine Person aus Pinochets Militärdiktatur ist verurteilt wurden. Alle haben in der jungen Demokratie straffrei in Freiheit weiter gelebt. Nicht so ihre Opfer. Viele Menschen sind bis heute verschwunden.  Sehr viel Leid schwebt bis heute über dem Land. 

Santiago de Chile - Plakate von Vermissten
Santiago de Chile – Plakate von Vermissten oder ermordeten Mapuches (indigene Bevölkerung)

Und dann gibt es aus noch die Einwanderer – Auswanderer in die andere Richtung. Nach dem deutschen Nationalsozialismus haben sich Deutsche hier genauso niedergelassen wie nach dem Ende der DDR. Es gibt viel zu erfahren und zu fragen. Doch leider ist auch hier die Zeit zu kurz.

Santiago de Chile - Präsidentenpalast La Moneda
Santiago de Chile – Präsidentenpalast La Moneda

Unsere Stadtführung mit einem chilenischen örtlichen Führer wurde eine richtige kleine Stadtwanderung. Wir starteten am Morgen vom Hotel und kehrten erst am Nachmittag zurück. Am frühen Morgen waren die Straßen noch relativ leer und wir konnten ganz in Ruhe viele große historische Bauten, wie den geschichtsträchtigen Präsidentenpalast La Moneda, Museum, Oper und Parlament sowie Börse bewundern.

Santiago de Chile - La Moneda
Santiago de Chile – La Moneda
Santiago de Chile - Opernhaus
Santiago de Chile – Opernhaus

Wir liefen durch große Fußgängerzonen des Geschäfts- und Verwaltungszentrums, die sich nur unwesentlich von europäischen Fußgängerzonen unterschieden. Langsam begann auch ein buntes sonntägliches Treiben in der Stadt. Nach der Präsidentenwahl in den USA beschäftigten sich auch die chilenischen Medien mit Donald Trump.

Santiago de Chile - Zeitungen in der Fussgängerzone
Santiago de Chile – Zeitungen in der Fussgängerzone

In einer  für Santiago typischenBar, einem sogenannten ‚Café con Piernas‘ tranken wir Kaffee. Diese Bars heißen so, da dort der Besucher in Ruhe die schönen Beine der Kellnerinnen bei einem Kaffee bewundern kann .

Santiago de Chile - Blick vom Santa Lucia
Santiago de Chile – Blick vom Santa Lucia

Anschließend wanderten wir auf den Santa Lucia Berg. Dort oben breitete sich die große Stadt unter uns aus und wir hatten einen fantastischen Blick in alle Himmelsrichtungen.

Santiago de Chile - Santa Lucia
Santiago de Chile – Santa Lucia
Santiago de Chile - Glasfassaden
Santiago de Chile – Glasfassaden
Santiago de Chile - Santa Lucia
Santiago de Chile – Santa Lucia

Weiter ging es durch verschiedene Stadtviertel. Wir sahen ein jung anmutendes Szeneviertel, in dem anscheinend viel Kunst und Kultur geboten wurde, sowie ein modernes Kulturzentrum ganz aus Kupfer hergestellt.

Santiago de Chile - Kulturzentrum
Santiago de Chile – Kulturzentrum
Santiago de Chile - Dach Kulturzentrum
Santiago de Chile – Dach Kulturzentrum
Santiago de Chile -
Santiago de Chile –
Santiago de Chile
Santiago de Chile
Santiago de Chile
Santiago de Chile

Wir wanderten am Río Mapoche, der die Stadt durchfließt, entlang. Auf einer Brücke gab es ein kleines Brückentheater. Doch auch Plakate hingen überall, die auf die Mapuches (indigene Mitbewohner), die spurlos verschwunden oder ermordet worden waren, hinwiesen.

Santiago de Chile - Radfahrer haben am Sonntag Vorfahrt
Santiago de Chile – Radfahrer haben am Sonntag Vorfahrt
Santiago de Chile - Radfahrer am Sonntag
Santiago de Chile – Radfahrer am Sonntag
Santiago de Chile - Radfahrer am Sonntag
Santiago de Chile – Radfahrer am Sonntag

Da Sonntag war, waren ganze Straßenzüge gesperrt und Radfahrer nutzten die breiten Straßen für Sonntagsspazierfahrten. In den Parks sahen wir Thai Chi und andere Gymnastikgruppen bei ihrem sonntäglichen Übungen.

Santiago de Chile - Yoga im Park
Santiago de Chile – Yoga im Park

Mittags ging es auf den Mercado Central. Dort in der städtischen Markthalle konnten wir die Spezialitäten der Region, wie frischen Fisch und Meeresfrüchte anschauen und natürlich probieren.  

Santiago de Chile - Markthalle
Santiago de Chile – Markthalle

Dann ging es weiter durch die große Stadt, in der es viele schöne Bauten und interessante Ecken zum anschauen gab. Der Spaziergang endete auf dem Plaza de Armas, der nun am frühen Nachmittag voller Menschen war. Auf dem Boden eingelassene Embleme zur Stadtgeschichte und um uns herum die Kathedrale, Regierungs- und Universitätsgebäude. Die Zeit rannte davon und auch von Santiago de Chile blieb nur ein kleiner Eindruck und der Wunsch, noch mehr von dieser Stadt zu sehen und zu entdecken.

Santiago de Chile - Plaza de Armas - Embleme im Boden
Santiago de Chile – Plaza de Armas – Embleme im Boden
Santiago de Chile - Plaza de Armas
Santiago de Chile – Plaza de Armas
Santiago de Chile - Plaza de Armas
Santiago de Chile – Plaza de Armas

Am Abend sollten wir bereits wieder in das Flugzeug Richtung Heimat steigen.

Santiago de Chile - Sonnenuntergang
Santiago de Chile – Sonnenuntergang

Doch am Tag zuvor hatten wir einen Ausflug in den bunten Küstenort Valparaiso unternommen. Von diesem farbenprächtigen Städtchen werde ich demnächst in meinem letzten Artikel zu dieser Peru, Bolivien und Chile Reise berichten.

Da ich die Bilder hier sehr klein hochgeladen habe, können die größeren Bilder bei Interesse auf meinem FlickR Fotostream angeschaut werden.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anna-Lena sagt:

    Offensichtlich ist Santiago eine sehr interessante Stadt und ein Kontrast zu dem, was du vorher beschrieben hast.
    Danke fürs Mitnehmen.
    Herzlich,
    Anna-Lena

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  2. Dagmar sagt:

    Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Großstädte dieser Tour Lima (Peru), La Paz (Bolivien) und Santiago de Chile (Chile) alle ihren eigenen Reiz hatten. In Lima hat mir nur nicht das dunstige Wetter gefallen :-). Liebe Grüße, Dagmar

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  3. Pit sagt:

    Hallo Dagmar,
    danke fuer diesen Reisebericht und die Anregungen zum Nachdenken und zum recherchieren ueber die (juengere) Geschichte Chiles.
    Hab’s fein,
    Pit

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    1. Dagmar sagt:

      Freut mich doch immer wenn es gefällt :-). Liebe Grüsse, Dagmar

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  4. vivilacht sagt:

    wunderschoen, wenn man deine Bilder ansieht, dann moechte man gleich dorthin reisen. Alles Gute und ein schoenes Fest

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  5. Dagmar sagt:

    Danke liebe Vivi, auch Dir ein schönes Fest, Dagmar

    Gefällt 1 Person

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